Mitarbeiter des Ordnungsamtes Aachen tragen Kleidung die eine Nähe zur extrem rechten Szene nahelegen

Person 1 (links), Person 2 (rechts)

Uns sind am Samstag, den 06.06.20, gegen 13:15 Uhr zwei mutmaßliche Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Innenstadt aufgefallen. Die beiden Männer waren zivil gekleidet und bestreiften augenscheinlich den Bereich rund um den Willy-Brandt-Platz und die Adalbertstraße.

Aufgefallen sind uns die beiden wegen ihres Kleidungsstils. Beide trugen Marken, die im Rocker- beziehungsweise Hooliganmilieu beliebt sind. Person 1 trug eine Bauchtasche der Marke „Yakuza“[1], Person 2 einen Kapuzenpullover der Marke „Phantom“. [2]

Außerdem präsentierte Person 2 den Schriftzug „Wolfskrieger“ auf seinem T-Shirt,eine Bezugnahme zu germanischer Mythologie wie sie auch in extrem rechten Kreisen beliebt ist. Wir konnten zusätzlich recherchieren, dass die extrem-rechte Metal-Band „Absurd“ [3] eines ihrer Alben „Wolfskrieger“ nennt, sowie ein T-Shirt in auffällig ähnlichem Design und Farben vertreibt. Dass es sich um eine Replik dieses Fanshirts handelt oder um eine Bekenntnis zu rechtem Gedankengut ist zumindest nicht auszuschließen. Wie die Polizei hat auch das Ordnungsamt besondere Macht- und Gewaltbefugnisse. Rechte und Neonazis stellen immer eine Gefahr für andere Menschen dar, doch wenn ihnen solche Machtpositionen übertragen werden, verschärft sich diese Gefahr drastisch.

Auch abseits von möglichem rechten Gedankengut hat das Auftreten von Mitarbeitern des Ordnungsamtes in einschlägiger Rocker- und Hooligankleidung und der offene Bezug zu heidnischer Mythologie eine enorm einschüchternde Wirkung auf viele Menschen und ist unserer Ansicht nach sehr bedenklich.

Wir haben uns am 15.06.20 via E-Mail an das Ordnungsamt gewendet, mit der Bitte Stellung zu unseren Beobachtungen zu ziehen und eventuell die beiden eingesetzten Mitarbeiter einer Überprüfung zu unterziehen. Leider erhielten wir bis dato, außer einer automatisierten Empfangsbestätigung, nicht einmal eine Antwort der Behörde. Wir finden dieses Verhalten, gerade in Anbetracht der jüngsten Erkenntnisse über immer weitreichendere extrem rechte Strukturen in der Polizei und Bundeswehr äußerst besorgniserregend.

Wir fordern weiterhin eine Stellungsnahme der zuständigen Behörde und einen Ausschluss aus dem Dienstvollzug von allen Mitarbeiter*innen der Exekutivorgane, bis eine Nähe zu extrem rechten Gedankengut ausgeschlossen werden kann.

 

Kappe und Pullover von „Phantom“ und T-Shirt mit der Aufschrift „Wolfskrieger“

Bauchtasche von „Yakuza“

 

Person 1 (rechts) und Person 2 (links) am Fahrzeug

[1]

„Der Name Yakuza bezeichnet mafiöse Organisationen in Japan. Die deutsche Modemarke Yakuza wurde 2004 gegründet und trennte sich 2012 in zwei formal selbstständige Firmen, die die Marken Yakuza (auch Yakuza893) und Yakuza Premium Selection produzieren. Beide setzen ganz auf das Image des Outlaws und »harten Mannes«, in einer Eigenwerbung heißt es: »YAKUZA893 is based of a hard reality, lived by two real men«. Yakuza-Kleidung wird vor allem von Personen getragen, die martialische Männlichkeit und Nähe zum Rotlicht-Milieu zur Schau tragen wollen.

Seit 2015 ist eine zunehmende Beliebtheit von Yakuza893 und Yakuza Premium Selection auch unter extrem Rechten festzustellen. Antifaschistische Veröffentlichungen wiesen 2015 darauf hin, dass ein von Neonazis betriebenes (mittlerweile geschlossenes) Ladengeschäft in Berlin ausschließlich Yakuza-Kleidung verkaufte und ein tschechischer Händler der Marke Musiker in einer Neonazi-Musikband ist. Die Betreiber beider Marken distanzierten sich daraufhin von rechten Kreisen und kündigten an, gegenüber neonazistischen Vertriebspartner_innen gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen.“ (https://dasversteckspiel.de/die-symbolwelt/bekleidung-und-marken/yakuza-yakuza893-yakuza-premium-selection-180.html; 11.06.2020)

[2]

Phantom stellt vor allem Sportausrüstung für den Kampfsport her und ist vermutlich deswegen und wegen der martialischen Aufmachung in gewaltaffinen Kreisen beliebt.

[3]

Die Band „Absurd“ ist dem sogenannten „National Socialist Black Metal“ zuzuordnen, einer neonazistischen Strömung innerhalb des Black Metal. 1992 gegründet, machte die Band bereits 1993 Schlagzeilen, als drei der Bandmitglieder den 15-jährigen Sandro Beyer folterten und ermordeten. Im Gefängnis festigte sich die neonazistische Gesinnung der Band, insbesondere von Hendrik Möbus und Christian Schöndorfer. Beide sind bis heute zentrale Figuren in der NSBM-Szene und auch mit anderen Neonazi-Organisationen vernetzt. Die Band „Absurd“ erlangte im Laufe der Jahre in der Szene Kultstatus. Sie bezieht in ihren Texten klar antisemitische, neonazistische und neuheidnische Positionen. Möbus betreibt mit „Darker Than Black Records“ außerdem eines der wichtigsten NSBM-Labels. Er äußert sich folgendermaßen zur Rolle des NSBM: „‚Diejenigen, die NSBM als ‚Musik-Genre‘ verstehen, wissen nichts davon,‘ meint MÖBUS, denn der ‚NSBM ist die Quintessenz des hörbaren wiedergeborenen Nationalsozialismus‘ und als solche elementarer Bestandteil des Black Metal, den er nicht lediglich als Musikrichtung verstanden sehen will, sondern als Lebenseinstellung. ‚Der NSBM ist ein raffiniertes Werkzeug der Agitation und Propaganda.‘ Die Musik diene nicht mehr trivialen Zwecken wie der Unterhaltung, ‚sondern ist das Bemühen, das Publikum dazu zu zwingen, Maßnahmen zu ergreifen.‘ In dieser Konsequenz will er den NSBM als ‚ein Ruf zu den Waffen‘ verstanden wissen.“ (zitiert nach antifa-berlin.info; https://antifa-berlin.info/sites/default/files/dateien/artikel/nsbm-berlin.pdf).